Abenteuerspielplatz Erle: Aufbauen, einreißen

Unser Beitrag im MARKT vom 12. September 2018

Was ist uns als Stadt das Engagement unserer Bürger wert? Die Frage stellte sich im letzten Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss (BSKA) mehrfach: Mit dem Vogelschießen, der SchanZe und der Erle haben gleich drei Initiativen, die maßgeblich auf ehrenamtlichem Engagement beruhen, eine Erhöhung der finanziellen Hilfen beantragt. Bedrückend fiel die Antwort vor allem im Fall des betreuten Abenteuerspielplatzes Erle aus.

Da im September 2019 die dreijährige Anschubfinanzierung durch „Holsteins Herz“ ausläuft, hatte der Verein bereits im Juni beantragt, die städtische Förderung von bisher 36.000 auf 88.000 Euro pro Jahr zu erhöhen. Der Antrag wurde vor der Sommerpause im BSKA abgelehnt. Die Erle wurde beauftragt, ein Modell mit deutlich geringerem Zuschussbedarf zu erarbeiten. Dem kam der Verein nach, ging finanziell an die Schmerzgrenze und reduzierte seinen Antrag um 25 Prozent.

Für die grüne Fraktion war dieser Schritt mehr als ausreichend, für die Mehrheit der weiteren Ausschussmitglieder leider nicht: Auch der zweite Antrag fiel vor einer Woche im BSKA durch. Es bleibt beim bisherigen städtischen Zuschuss. Die Zukunft des Projekts, in das unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden (und öffentliche Gelder) geflossen sind, steht in den Sternen.

Mich hat dieses Ergebnis nachdenklich gemacht. Warum wird viel Energie in eine vielversprechende Sache gesteckt, wenn weder die Stadtverwaltung noch die politische Mehrheit bereit sind, eine nachhaltige Finanzierung zu sichern? Warum werden über Jahre gewachsene Projekte leichtfertig der Haushaltsräson geopfert? So ermuntert man nicht zu ehrenamtlichem Engagement, sondern würgt langfristig jegliche Initiative ab.

Klar: Es kann nicht alles durch die Stadt finanziert werden. Aber erst etwas mühsam aufzubauen, um es dann kurz darauf wieder einzureißen, macht für mich wenig Sinn. Vielleicht braucht es künftig klarere Förderrichtlinien. Vielleicht müssen wir uns auf politischer Ebene davon verabschieden, halbherzig nach dem Gießkannenprinzip zu fördern, und stattdessen stärker in einzelne Leuchtturmprojekte investieren. Vor allem aber müssen wir uns die Frage stellen: Was – und vor allem wie viel – ist uns Engagement tatsächlich wert?

Matthias Adrion
Bürgerliches Mitglied im BSKA

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