Ist das Stormarner Modell auch in Bad Oldesloe möglich?

Unser Beitrag im MARKT vom 12. Februar 2020

„Die wirkliche und bürgernahe Politik wird in den Kommunen gemacht.“ Ich bin von diesem Satz überzeugt und er muss uns alle anspornen. Klagen und jammern, was alles schlecht läuft und falsch ist in Bad Oldesloe, das kann jedeR, aber selber aktiv werden, das ist die Antwort. Das muss auch für mich gelten. So bin ich am 27. Januar 2020 wieder einmal als Stadtverordneter von Bad Oldesloe verpflichtet worden.

Das ist eine Ehre, aber auch eine Pflicht und nicht unerheblicher Aufwand, wie ich aus meiner Funktion als Stadtverordneter von 2003 bis 2013 noch weiß. Einmal bin ich mit einer Schubkarre in den Sitzungsraum gefahren, um meine einen Meter hohen schriftlichen Unterlagen, die ich als Fraktionsvorsitzender der Grünen innerhalb eines Vierteljahres bekommen hatte, sachgerecht entsorgen zu lassen. Der „Papierkrieg“ war mir buchstäblich über den Kopf gewachsen.

2013 bin ich dann nicht wieder zur Wahl angetreten, nicht nur weil es neben meinem anspruchsvollen Beruf zu viel ehrenamtliche Arbeit war. Ich bin vor allem gegangen, weil das Amt viel zu wenig Wertschätzung und gegenseitigen Respekt erfährt. Beleidigungen und Beschimpfungen wurden mir zu viel, ich mochte mir das nicht mehr antun.

Nun habe ich es also wieder gewagt, es sollte nämlich alles besser geworden sein in dem Miteinander. Aber gleich auf dieser ersten Sitzung, 30 Minuten nach meiner Vereidigung, endete die Sitzung im Tohuwabohu: PolitikerInnen schimpften und ganze Fraktionen gingen empört aus der Sitzung, die dann bald würdelos endete. Ich war genauso wie viele anwesende Bürger erschüttert und bin ohne weitere Gespräche und Worte nach Hause gegangen, tief in Gedanke, warum ich mir das eigentlich antue.

Dass es anders geht, zeigt mir der Kreistag von Stormarn, dem ich seit 2008 angehöre. Hier habe ich erfahren, das eine Politik möglich ist, ohne das alle aufeinander rumhacken: Wir nennen es dort das „Stormarner Modell“. Es ist zum Vorteil aller Personen und Positionen, bei den Entscheidungen ist immer „für jedeN etwas dabei“. Es wird sachlich und wertschätzend gestritten - und nicht trotzdem, sondern – nach meiner Ansicht – gerade deswegen etwas erreicht. Das gefällt mir gut und motiviert mich, selber freundlich, sachlich, wertschätzend und engagiert zu sein.

Das „Stormarner Modell“ wäre auch für die Oldesloer Stadtverordnetenversammlung gut. Es schont die Nerven, ist erfolgreich und Kommunalarbeit macht dann auch Spaß, was es darf. Viel zu tun gibt es sicherlich: Wichtige Dinge sind anzupacken, für die Stadt und ihre Bürger voranbringen. Miteinander statt gegeneinander wäre da die richtige Antwort. Ich bin auf die nächsten Sitzungen gespannt.

Dr. Gerold Rahmann
Stadtverordneter und Mitglied im Hauptausschuss
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

zurück

URL:http://www.gruene-bad-oldesloe.de/aktuelles/expand/750023/nc/1/dn/1/