Digitalisierung der Schulen nicht ausbremsen

Unser Beitrag im MARKT vom 23. Mai 2020

Als im letzten Jahr die Ergebnisse der internationalen ICILS-Schulstudie veröffentlicht wurden, dürfte das in Deutschlands Kultusministerien nicht unbedingt für gute Laune gesorgt haben: Hinsichtlich ihrer digitalen Kompetenz schnitten deutsche Schülerinnen und Schüler bestenfalls mittelmäßig ab. Das lag auch daran, dass es in unseren Schulen häufig an der elementaren IT-Ausstattung hapert – also zum Beispiel an Rechnern und Tablets, Glasfaserkabeln und WLAN.

Auch Bad Oldesloe ist da leider keine Ausnahme: So sind die Computer einer örtlichen Grundschule im Schnitt sage und schreibe 12 Jahre alt. Aus Personalmangel ist ein Support der Schulen durch die IT-Abteilung der Stadt offenbar seit Monaten nur eingeschränkt möglich. Und die Bestandsaufnahme eines externen Beraters kam im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass die digitale Versorgung vieler Schulen bereits am Fehlen leistungsstarker Breitbandanschlüsse scheitert.

Richten soll das eigentlich der 2019 im Bundesrat beschlossene Digitalpakt. Aus dem bundesweiten Fördertopf entfallen rund 170 Mio. Euro auf Schleswig-Holstein und stehen in den kommenden Jahren für den Aufbau einer zeitgemäßen IT-Infrastruktur an unseren Schulen zur Verfügung.

Absurderweise könnte nun ausgerechnet das gut gemeinte Förderprogramm dazu führen, dass in Bad Oldesloe auf Jahre hinweg Stillstand in Sachen Digitalisierung eintritt: In einem Schreiben teilte die Verwaltung den Schulleitungen unlängst mit, dass aufgrund der langfristigen Digitalpakt-Planungen bis auf weiteres keine Neubeschaffungen von PCs, iPads oder Software seitens der Schulen mehr erfolgen dürften. Nur so sei es möglich, die hohen Standards des Digitalpakts im Hinblick auf Vereinheitlichung, IT-Sicherheit und Datenschutz zu gewährleisten.

Ersatzbeschaffungen für defekte Endgeräte sollen zwar grundsätzlich weiterhin möglich sein – allerdings nur in enger Abstimmung mit der Verwaltung. Die Erfahrung der Schulen zeigt, dass dies oft einen hohen bürokratischen Aufwand und lange Wartezeiten mit sich bringt.

Gerade in Zeiten des durch das Coronavirus erzwungenen „Homeschooling“ ist es aber notwendig, dass die Schulen schnell und flexibel ihre IT-Ausstattung erweitern, austauschen und instandsetzen können. Wir fordern daher: Den Schulleitungen muss es kurzfristig wieder ermöglicht werden, eigenverantwortlich Neu- und Ersatzbeschaffungen aus ihren Schulbudgets zu tätigen. Auf der anstehenden Stadtverordnetenversammlung werden wir dies gemeinsam mit SPD, FBO, FDP, Familienpartei und Freien Wählern beantragen.

Matthias Adrion
Vorsitzender des Ortsverbandes
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

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