Wie stark wollen wir wachsen?

Unser Beitrag im MARKT vom 26. August 2020

Entwickelt sich Bad Oldesloe zum Hamburger Vorort? Die These, die jüngst in der örtlichen Presse aufgestellt wurde, mag gewagt klingen – ganz unberechtigt ist sie nicht. Denn durch immer höhere Immobilienpreise in Hamburg wird unsere Kreisstadt auch für Menschen aus der benachbarten Metropole zur attraktiven, weil noch halbwegs bezahlbaren Alternative.

Das wiederum führt auch hier zu stark ansteigenden Kauf- und Mietpreisen. Da klingt es im ersten Moment wie eine gute Nachricht, dass in Bad Oldesloe derzeit kräftig neuer Wohnraum geschaffen wird. Rechnet man das bereits gut gefüllte Neubaugebiet Claudiussee mit ein, werden in den kommenden Jahren über die Stadt verteilt mehr als 600 Wohneinheiten entstehen, viele davon in Mehrfamilienhäusern.

Doch damit nicht genug: Im Wirtschafts- und Planungsausschuss – und das ist die weniger frohe Nachricht – wurde kurz vor der Sommerpause leider beschlossen, auch die aktuell gültigen Siedlungsgrenzen im Zuge der Regionalplanung auszuweiten. Stimmt das Land zu, wären damit prinzipiell auch neue Baugebiete in Wolkenwehe und Blumendorf sowie östlich der Straße „Am Tegel“ und des Wohngebiets „Steinfelder Redder“ möglich. Das jedoch ist weder ökologisch vertretbar noch aus städteplanerischer Sicht erstrebenswert.

Klar: Günstiger Wohnraum wird auch bei uns zunehmend zur Mangelware. Aber mit jedem Quadratmeter, den wir in die Fläche wuchern, zerstören wir weitere Teile eines Ökosystems, das ohnehin bereits stark beeinträchtigt ist. Heute verschwinden in Deutschland täglich fast 80 Fußballfelder Natur, um darauf Gebäude und Straßen zu errichten. Und machen wir uns nichts vor: Auch wenn wir jedes Jahr 500 neue Wohnungen schaffen würden, könnten wir damit dem Immobilien-Preisdruck in einer Metropolregion mit bummelig 5 Millionen Einwohnern wenig entgegensetzen.

Zentrale politische Fragen der kommenden Jahre werden daher sein: Wie sieht eine nachhaltige Entwicklungsstrategie für Bad Oldesloe aus? Wie stark können und wollen wir wachsen? Und wo setzen wir uns (und den Investoren) bewusst Grenzen?

Einige Leitsätze, an denen wir uns dabei orientieren sollten:

  • Weiteren Flächenfraß an den Ortsrändern darf es nicht geben.
  • Die Innenverdichtung bestehender Siedlungsgebiete bei gleichzeitigem Fokus auf Klimaneutralität sollte Vorrang haben – insbesondere in der Innenstadt, wo zunehmend Flächen aus der gewerblichen Nutzung fallen werden.
  • Historische Gebäude müssen wir dabei unbedingt erhalten, damit Bad Oldesloe nicht zur gesichtslosen Trabantenstadt wird.
  • Und wo neu gebaut wird, muss durch kluge städtebauliche Verträge sichergestellt sein, dass die Gewinne nicht ausschließlich beim Investor anfallen, während die Stadt wie so oft auf den Kosten für die Infrastruktur sitzen bleibt.

Matthias Adrion
Vorsitzender des Ortsverbandes
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

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