Umparken im Kopf: Rettet die Innenstadt!

Unser Beitrag im MARKT vom 14. Oktober 2020

Morgen vor genau 22 Jahren konnte man zum ersten Mal bei amazon.de bestellen, seitdem ist aus dem Zweikampf der Innenstadtgeschäfte mit denen da draußen auf der grünen Wiese ein Dreikampf geworden. Wer die Verlierer sind, ist klar – sichtbar am Karstadt-Sterben – es sind die Einzelhändler: the retailer retires.

Trotzdem kann und muss man die Innenstädte retten, so der Stadtplaner Prof. Frank Schwartze von der TH Lübeck auf dem IHK-Seminar zur Zukunft der Innenstädte im September: Die Schließung alteingesessener Geschäfte würde stärker als Verlust von Heimat wahrgenommen als die Globalisierung oder die Zuwanderung, wie Umfragen ergaben. Orte des Einkaufs seien Orte der Erinnerung. Doch wie bringt man die Kunden in die Innenstadt?

Nicht durch kostenlose Parkplätze, wie das Chaos gezeigt hatte, als in Bad Oldesloe die Parkautomaten ausfielen. Es ist die Attraktivität des urbanen Raumes – nicht umsonst sind Outlets, wie das in Neumünster, so gestaltet, als würde man in das Zentrum einer pittoresken Kleinstadt gehen.

Genau dieses heimelige Ambiente können wir auf der Oldesloer Zentrumsinsel anbieten. Das allein reicht natürlich noch nicht. Orte des Einkaufens müssen auch Orte der Gemeinschaft sein, so wie es der Markt am Mittwoch und am Sonnabend ist, wo man Bekannte trifft, einen Kaffee gemeinsam trinkt und miteinander schnackt. Ideal wäre also die Kombination von Einzelhandel und Imbiss. Da nicht alle Einzelhändler, die aufgeben, ersetzt werden können, müssen auch andere belebende Faktoren, wie z. B. ein Fitnessstudio, ein Handwerksbetrieb oder eine Manufaktur in die Innenstadt ziehen. Die „Machbar“ ist somit ein Vorbild, was Schule machen sollte.

Auf jeden Fall ist Innenstadtentwicklung etwas, das man nicht den freien Marktkräften überlassen sollte, denn dann hat man auf der einen Seite die Nickel-Ruine und auf der anderen Seite die 1-Euro-Shops. Die Gestaltung der Innenstadt kann sich auch nicht auf Pflasterfarbe und Sitzmöblierung beschränken: Wir brauchen eine Steuerungsgruppe aus Verwaltung, Wirtschaft und Politik, die mit rechtlicher Beratung durch Städtebund und die IHK einen Zukunftsplan (Mobilität mit eingeschlossen) für unsere Stadt entwirft. Diese Steuerungsgruppe sollte schon existieren, wenn die von der Politik in Auftrag gegebenen Einzelhandelsgutachten und Verkehrsgutachten eintreffen.

Hartmut Jokisch
Stadtverordneter
Vorsitzender des Wirtschafts- und Planungs-Ausschusses



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