Verkehrswende für Bad Oldesloe

Unser Beitrag im MARKT vom 2. Dezember 2020

Unser Sohn brauchte dringend ein neues Fahrrad, sein altes war kaputt. Wir sind im lokalen Fahrradhandel fündig geworden und hatten damit scheinbar großes Glück, denn: der Markt sei wie leer gefegt, nicht nur Räder, sondern auch Ersatzteile würden knapp. Wie es scheint, waren wir nicht die Einzigen, die momentan ein neues Fahrrad haben möchten. Seit Beginn der Corona-Krise boomt der Fahrradabsatz enorm, viele Menschen steigen auf den Drahtesel um.

Diese Entwicklung ist sicherlich nicht nur dem gestiegenen Klimabewusstsein, sondern auch der Pandemie geschuldet: Öffentliche Verkehrsmittel werden aufgrund der Ansteckungsgefahr lieber gemieden und viele Freizeitbeschäftigungen sind dem Shutdown zum Opfer gefallen. Fahrradtouren sind also wieder in Mode und in vielen deutschen Städten tauchten im Corona-Sommer Pop-up-Radwege auf.

So sehr ich auch hoffe, dass dieser positive Trend anhält, er reicht noch lange nicht für eine echte Verkehrswende. Denn trotz alldem fehlt nach wie vor eine echte Akzeptanz des Fahrrads im Straßenverkehr. Auf deutschen Straßen ist das Auto nach wie vor König, es gilt gefühlt das Recht des Stärkeren. Wir sind es als Gesellschaft gewohnt, dem Auto immer Vorrang zu geben – es ist quasi ein Automatismus.

Auch bei uns in Bad Oldesloe fällt auf: den Autos wird der meiste Platz eingeräumt, Ampelschaltungen begünstigen Kraftfahrzeuge und auch die Verkehrsführung ist an vielen Stellen für die Fahrradfahrer eine echte Herausforderung. Seitens der Stadt ist in den letzten Jahren auch wenig passiert. Es gibt keine Fahrradstraßen, die Wege sind teils in schlechtem Zustand, es mangelt an Abstellmöglichkeiten und Service-Stationen. Andere Kommunen sind da viel weiter. Immerhin kommt 2021 (hoffentlich) endlich das Radhaus am Bahnhof, eine Initiative der Grünen.

Ein radikales Umdenken muss unsere primäre Aufgabe sein. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte Radfahrern stets Respekt zollen. Noch besser wäre es natürlich, wenn alle mitmachen und Wege in unserer Stadt mit dem Rad zurücklegen. Das kostet nichts, es ist gesund und wo kann man schon mit dem Auto direkt vor der Ladentür parken? Je mehr Radler wir sind, umso selbstverständlicher wird das Fahrrad im Straßenverkehr. Das Klima wird es uns danken, und wer weiß, wozu es sonst noch gut ist. Immerhin heißt es, Albert Einstein kam die Erleuchtung zur Relativitätstheorie beim Fahrradfahren

Sarina Adrion
Stv. bürgerliches Mitglied im Wirtschafts- und Planungsausschuss

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