Lernen in und aus der Krise

Unser Beitrag im MARKT vom 20. Januar 2021

Der 11. Dezember 2020 war in Schleswig-Holstein der letzte Tag mit halbwegs normalem Schulbetrieb. Seitdem sitzt der Großteil unserer Kinder und Jugendlichen zuhause, denn auch mit dem Ende der Weihnachstferien durften die Schulen – Abschlussklassen ausgenommen – ihre Türen nicht wieder öffnen.

Die Bilanz der ersten Tage des Lernens auf Distanz fiel in vielen Fällen einigermaßend verheerend aus. So mussten die geplanten Videokonferenzen an der Theodor-Mommsen-Schule in Bad Oldesloe anfangs samt und sonders ausfallen: Zunächst konnte der bei der Stadt bestellte Server nicht rechtzeitig geliefert werden, dann kamen auch noch technische Probleme beim Anbieter der Lernplattform „IServ“ hinzu. Erst mit gut einwöchiger Verspätung lief das System einigermaßen rund.

In der länderübergreifenden Software „itslearning“, wie sie zum Beispiel an der Klaus-Groth-Schule im Einsatz ist, sind Videokonferenzen dagegen gar nicht erst vorgesehen. Der einzige Austausch der Kinder – untereinander und mit ihren Lehrkräften – findet per Chat-Nachricht statt. Gerade bei jüngeren Schülerinnen und Schülern, die kaum das Schreiben per Hand gemeistert haben, ist das naturgemäß eine echte Herausforderung. Anstelle des gemeinsamem Unterrichts tritt so in vielen Fällen das elternbetreute Abarbeiten von Aufgabenzetteln. Interaktion und soziales Lernen? Fehlanzeige.

Selbstverständlich gibt es auch Lichtblicke. Engagierte Pädagoginnen und Pädagogen, die mit viel Kompetenz und Fantasie das Beste aus der Situation herausholen. Schülerinnen und Schüler, die durch die Beschäftigung mit dem Digitalen ganz neue Kompetenzen erwerben, die nicht in den Lehrplänen des Regelbetriebs enthalten sind. Doch wie so oft offenbaren sich in der Krise eben immer auch die Schwachstellen des Systems.

Die bittere Lehre dieser Tage lautet daher: Diszanzunterricht in Deutschland ist Lichtjahre davon entfernt, eine halbwegs gleichwertige Alternative zum Lernen vor Ort darzustellen. Schulen (und Kitas) müssen daher die ersten Einrichtungen sein, die bei günstigem Verlauf der Infektionszahlen wieder öffnen dürfen. Bis es damit soweit ist, können wir als Kommune letztlich nur dafür Sorge tragen, dass erfolgreiches „Homeschooling“ zumindest nicht an mangelnder technischer Infrastruktur scheitert. Was immer die Schulen in dieser Hinsicht unterstützt, sollte in diesen Tagen ohne viel Aufhebens möglich gemacht werden.

Matthias Adrion
Vorsitzender des Ortsverbandes
Bürgerliches Mitglied im UEVA und stv. bürgerliches Mitglied im BSKA
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

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