Die Grüne Tat 2011

Die "Grüne Tat 2011" (Sparte Erwachsene) ging diesmal an die Einrichtung "Garten und Tenur für alle", die mit einem Tenur zum Fladenbrotbacken und einem Garten zum Pflegen und Ernten für alle ein vorbildhaftes Integrationsprojekt verwirklicht. Die "Grüne Tat 2011" (Jugend) sollte dem/der vermutlich jugendlichen Kunst-Guerillera/o zugedacht sein, der die Stadt Bad Oldesloe mit mysteriösen Mosaikbildchen verziert.

Laudatio von Klaudia Rahmann für "Tenur und Garten für alle"

Bei unserem heutigen Preisträger handelt es sich um eine Gruppe, die durch ihren Einsatz einen wichtigen Beitrag zu einem guten Miteinander in unserer Gesellschaft leistet. Das Projekt ist ein Beispiel für Völkerverständigung und gesellschaftliche Integration.

Eigentlich kann ich keine einzelnen Personen benennen, da es sich um keine feste Gruppe handelt, denn jede/r, der mitmachen möchte kann mitmachen. Wir ehren heute die Personen, die das Projekt "Ein Garten für Alle" und "Kurdischer Ofen" mit Leben füllen.

Der kurdische Ofen und der Garten für Alle gehören zusammen, sie befinden sich am Inihaus. Dieser Ort ist nun ein Treffpunkt für Menschen unterschiedlicher Herkunft, z. B. aus Kurdistan, Spanien, Afghanistan, Deutschland, Kasachstan und demnächst kommen noch Frauen aus Afrika dazu. Besonders wichtig finde ich, dass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden.

Was ist der Garten für alle? Der Garten ist ein offener Garten, d. h. jeder der mitmachen möchte, kann dies tun. Es gibt keine Privatbeete in diesem Garten, sondern alle, die im Garten mitarbeiten, dürfen auch überall im Garten ernten. Es gibt aber Zuständigkeiten für einzelne Beete. So sind die Personen, deren Name auf dem Schild im Beet steht, für den Zustand des Beetes zuständig. Sie sollen dafür sorgen, dass Unkraut gejätet und die Kulturpflanzen gegossen werden. Im Garten wird weder Kunstdünger noch Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Übrigens gehört der Garten dem Netzwerk Interkulturelle Gärten an (122 Gärten im ganzen Bundesgebiet). Der Garten in Bad Oldesloe ist immer noch der einzige Interkulturelle Garten in Schleswig-Holstein.

Was wächst in diesem Garten? Im Garten gibt es eine Kräuterspirale und es werden Tomaten, Lauch, Kohlrabi, Rote Beete, Erbsen und Mangold angebaut. Jetzt liegt er gut vorbereitet fürs Frühjahr im Winterschlaf.

Was ist denn ein Kurdischer Ofen? Diese Art des Ofens, der auch Tenur genannt wird, findet sich häufig in kurdischen Gebieten, in Teilen Russlands und in Afghanistan. Das Ofenbauen ist traditionell Frauensache. Ein Tenur ist ein kuppelförmiger Ofen, in dem Fladenbrot gebacken werden kann. Zunächst wird ein Feuer im Ofen gemacht. Im Inneren des Ofens befindet sich ein getöpfertes, ovales Gefäß, an dessen erhitzte Innenwand der vorbereitete Teig geklebt wird. Ich habe mir von Frau Yildiz Temel erklären lassen, dass im Ofen innerhalb einer halben Stunde 7 kg Brot gebacken werden können. Der Ofen in Oldesloe ist öffentlich zugänglich und jede/r darf dort Brot backen. Es kommen sogar Leute aus anderen Städten, um hier in Oldesloe Brot zu backen. Übrigens ist dies auch im Winter möglich. Wer Interesse am Fladenbrotbacken im Lehmofen hat, kann sich für einen Kurs bei der VHS am 12 Mai anmelden.

Viele Menschen sind Teil dieses Projekts: das JUP (Jugendumweltprojekt), Nachbarn, Menschen aus der Obdachlosenunterkunft, eine Kindergruppe und Freiwillige, die selber noch einen Schrebergarten haben und ihr Wissen einbringen. Gerade diese Vielfalt macht dieses Projekt so wertvoll.

Laudatio von Martin Moßner für die Mosaik-Kunst "Streetart" in Bad Oldesloe

Die Oldesloer Grünen wollen das Fliesenkunstprojekt in Bad Oldesloe ehren. Hierbei handelt es sich um Fliesen-Mosaike, die die Künstler_in aus kleinen Fliesen-Quadratengefertigt hat. Zu sehen sind auf diesen Mosaiken Symbole, die auf bestimmte örtliche Gegebenheiten in Oldesloe hinweisen. Dieses Mosaike sind an Wänden und Mauern geklebt und bilden mit den örtlichen Gegebenheiten, auf die sie hinweisen, eine Einheit.

Um die Nachhaltigkeit dieses Kunstprojektes zu verdeutlichen, möchte ich eine Geschichte aus meinem Weltkundeunterricht erzählen. Zu Beginn des Unterrichts gibt es immer die "aktuellen 5 Minuten", bei denen ein_e Schüler_in aus den Bereichen Wirtschaft, Politik oder Gesellschaft zu einem selbst ausgesuchten und aktuellen Thema etwas erzählt und eine Diskussion anstößt.

Lasse hatte sich das Oldesloer Mosaikprojekt ausgesucht. Er reichte Fotografien der Mosaike herum und in einem Ratespiel ordneten seine Mitschüler_innen diese Mosaike bestimmten Plätzen im Stadtgebiet zu. Die Begeisterung der Mitschüler_innen für dieses Kunstprojekt war überwältigend. Was ist nun das Faszinierende an diesem Kunstprojekt? Im Verborgenen werden mit Überlegung kunstvolle Mosaike mit den Symbolen hergestellt. Im Schutze der Dunkelheit werden diese Mosaike an sorgsam ausgewählten Standorten angeklebt.

Diese sensible und feinfühlige Vorgehensweise in Anonymität ist das, was die Menschen in der Stadt so begeistert. Die Vorgehensweise erinnert an Robin Hood oder Zorro. Verkürzt ausgedrückt: Da wird Gutes getan, ohne sich zu outen. Das, was die Menschen an diesem Mosaikprojekt so begeistert, weist auch auf die Nachhaltigkeit desselben hin. Nachhaltigkeit nur auf Ökologie und soziale Gerechtigkeit zu beschränken, greift einfach zu kurz. Kunst und Kultur sind auch bei Agenda 21-Projekten sehr verankert.

Nachhaltige Kunst und Kultur beschränkt sich nicht nur auf die Wahl der Materialien, sondern sie schafft auch eine Verbindung zur Lebenswelt der Betrachter. Nachhaltige Kunst und Kultur bedeutet Teilhabe. Und hierfür ist das Oldesloer Mosaikprojekt ein besonders gelungenes Beispiel. Hätte das Ratespiel im Welkundeunterricht die Schüler_innen sonst so motiviert und begeistert? Wegen der impliziten Teilhabe bei diesem Kunstprojekt sind die Fliesenmosaike Stadtgespräch und werden in den Zeitungen und anderen Medien bildreich besprochen und bewundert.

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