Kinderheilanstalt, Internat, Volkshochschule – das Gebäude Königstraße 33 hat in den 130 Jahren seines Bestehens viele Funktionen gehabt. Gemeinsam mit der gegenüberliegenden Bibliothek prägt es das Stadtbild und steht für ein Stück Oldesloer Geschichte. Seit 2016 steht es aber auch leer. Und die Stadtverwaltung hat sich seitdem nicht gut um das Haus gekümmert. Nun soll es endgültig verschwinden. Eine Mehrheit aus CDU und FBO hat im Wirtschafts- und Planungsausschuss dem Verwaltungsvorschlag zugestimmt, das VHS-Gebäude kurzfristig abzureißen. Eigentlich hatte die Politik 2018 entschieden, zumindest den vorderen Teil zu erhalten. Stattdessen nun die Kehrtwende: Totalabbruch und Neubau „entsprechend dem historischen Vorbild“. Begründet wird dieser Schritt mit den vermeintlich höheren Kosten einer Sanierung. Ein Gutachten hat ergeben, dass ein Teilabbruch inklusive baulicher Sicherung 30.000 bis 60.000 Euro teurer wäre als ein Komplettabriss mit 420.000 Euro. Klar: Leichtfertig in Kauf nehmen sollte man Mehrkosten bei Bauprojekten nie– auch wenn es sich wie hier um überschaubare Beträge handelt. Ebenso wenig sollte man aber leichtfertig ein historisches Gebäude opfern, das vielen Oldesloern am Herzen liegt und ein unersetzlicher Teil der Stadtgeschichte ist. Denn inwieweit es sich bei dem Neubau tatsächlich um eine detailgetreue Kopie des jetzigen VHS-Gebäudes handeln wird, steht in den Sternen. Es gibt bereits Stimmen, die sich gegen eine Rekonstruktion aussprechen. Bad Oldesloe hat leider eine unrühmliche Tradition, historische Bausubstanz zu vernichten. In den 1970er Jahren mussten in der Hagenstraße zahlreiche Giebelhäuser weichen, Anfang der1980er wurde im Heiligengeistviertel ein mehrstöckiges Fachwerkhaus des17. Jahrhunderts ausradiert. In der Königstraße selbst hat man noch vor wenigen Jahren die ehemalige „Wintersche höhere Töchterschule“ dem Abriss preisgegeben. Begehen wir diesen Fehler nicht erneut. Am Montag,16.März, wird in der Stadtverordnetenversammlung final über die Zukunft des VHS-Gebäudes abgestimmt. In der vorhergehenden Einwohnerfragestunde haben Sie Gelegenheit, sich dazu einzubringen.
Matthias Adrion
Stadtverordneter
Bündnis 90/Die Grünen
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